Erkannt beim Essen

Jürgen Ferrary
18. April 2026

Zwei Freunde von Jesus verlassen nach der Kreuzigung Jerusalem. Sie sind am Boden zerstört. Ihr Herr und Meister – und ihr Freund – ist auf grausame Weise getötet worden. Alle Hoffnung scheint verloren, und in ihren Köpfen herrschen Verzweiflung, Trauer und Chaos. Was sollen sie anderes tun, als nach Hause zu gehen? Der Traum ist geplatzt.

Auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus gesellt sich ein geheimnisvoller Mann zu ihnen. Noch erkennen sie ihn nicht, doch seine Worte und seine Gegenwart ziehen sie in den Bann. Er hört zu, erklärt ihnen die Schrift, geht mit ihnen Schritt für Schritt durch ihre Fragen und ihren Schmerz.

Als es Abend wird, laden sie ihn ein, bei ihnen zu bleiben. Und genau dort, beim Essen, geschieht das Entscheidende. Lukas beschreibt es so:

„Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus, und Jesus tat so, als wolle er weitergehen. Deshalb drängten ihn die Jünger: »Bleib doch über Nacht bei uns! Es ist spät und wird schon dunkel.« So ging er mit ihnen ins Haus. Als Jesus sich mit ihnen zum Essen niedergelassen hatte, nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es in Stücke und gab es ihnen. Da wurden ihnen die Augen geöffnet: Es war Jesus. Doch im selben Moment verschwand er, und sie konnten ihn nicht mehr sehen. […] Sie sagten zueinander: »Hat es uns nicht tief berührt, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erklärte?«“ (Lukas 24,28–32 HfA)

Erst in diesem Moment erkennen sie ihn. Wie auch vorher? Sie hatten gesehen, wie Jesus gestorben war. Ja, er hatte von seiner Auferstehung gesprochen – aber das klang zu unfassbar, um wirklich damit zu rechnen.

Und plötzlich wird alles anders. Eben noch waren sie gefangen in Hoffnungslosigkeit – und jetzt erkennen sie: Jesus lebt. Er war die ganze Zeit bei ihnen. Auf jedem Schritt. In jeder Frage. In jeder Träne. Ich finde das bemerkenswert: Jesus war längst da, aber sie haben ihn nicht erkannt. Nicht, weil er fern war, sondern weil ihre Perspektive begrenzt war.

Genau das kenne ich auch. Es gibt Momente, da fühlt sich das Leben schwer an. Hoffnung verblasst, Glaube wird brüchig, und Gott scheint weit weg. Doch die Emmausgeschichte stellt diese Wahrnehmung auf den Kopf: Jesus ist nicht abwesend – er ist oft nur unerkannt.

Der Autor Randy Alcorn hat es einmal so formuliert: „Viele von uns sind schon einmal den Weg nach Emmaus gegangen und haben sich gefragt, wo Gott wohl ist … während er die ganze Zeit direkt neben uns geht.“

Diese Wahrheit zieht sich durch die ganze Bibel. In Hebräer 13,5 heißt es: „Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich mich von dir ab.“ Das ist kein frommer Wunsch, sondern ein Versprechen.

Was die beiden Jünger schließlich zur Erkenntnis bringt, ist bemerkenswert schlicht: ein gemeinsames Essen. Ein Moment der Einladung. Ein offenes Haus. Ein offenes Herz. Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel für uns heute. Jesus drängt sich nicht auf – aber er lässt sich einladen.

Kleine Herausforderung für heute: Den Freunden von Jesus mussten erst die Augen geöffnet werden. Nimm dir heute einen Moment Zeit und bitte Jesus genau darum, dass er dir deine Augen öffnet. Lade ihn in das Zentrum deines Lebens ein, in dein Herz, in dein Haus, in deine Emotionen. Genau wie die beiden Jünger Offenbarung bei einer einfachen Mahlzeit erlebten, kannst auch du ihm begegnen, wenn du es am wenigsten erwartest. 

Wie würde es aussehen, Jesus heute einzuladen? Wie könnten dir die Augen für Seine Gegenwart und Seine Liebe geöffnet werden – auf eine Weise, die du bisher vielleicht übersehen hast?

Sei gesegnet!

„Der Glaube sieht nicht immer klar – aber er vertraut darauf, dass Gott schon da ist, bevor wir ihn erkennen“ (Oswald Chambers).

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